Auf einer ehemals freien Wiese in Gstaad entstand in Zusammenarbeit mit der Interieur-Designerin Antje Hruby ein Ensemble aus Neubau, Landschaft und charaktervollem Design. Das geplante Chalet wurde als Rohbau im regionaltypischen Stil für die Schweiz übernommen – mit Respekt für die Region, als eleganter Wohlfühlort ohne Überfluss.
Anstatt eines konkreten Gestaltungswunsches war die Zielsetzung, eine architektonische Lösung jenseits des Gewöhnlichen zu schaffen, die zwar typische Gestaltungselemente eines Chalets authentisch aufgreift, diese jedoch modern interpretiert – durch Reduktion, eine bewusste und fokussierte Materialauswahl sowie durch neue Designansätze, bis ins kleinste Detail.
Das Gestaltungskonzept entwickelte sich nicht aus einem vorgegebenen Zielbild, sondern aus dem Zusammenspiel von Materialverständnis, handwerklichen Prozessen und einem feinen Gespür für Atmosphäre – getragen von gestalterischem Mut. Zugleich spielte die Historie der Umgebung eine zentrale Rolle: Die gewachsene Baukultur und regionale Traditionen wurden nicht als Stilvorlage verstanden, sondern als Hintergrund, der Haltung und Maßstab mitprägt. Früh eingesetzte Mock-ups halfen dabei, Proportionen, Materialien und Atmosphäre im realen Raum zu testen – und so ein stimmiges Verhältnis zwischen Bestehendem und Neuem zu entwickeln.
Zentral war die enge Zusammenarbeit zwischen Designerin, Projektleitung und Werkstätten für einen ganzheitlichen Gestaltungsansatz. Entscheidungen entstanden im Dialog – mit Mut im Prozess und hoher Verantwortung für das Ganze. Die gestalterische Leitidee lautete: Tradition weiterdenken, ohne sie zu zitieren. Historische Bezüge wurden nicht kopiert, sondern interpretiert – etwa durch Wandpaneele in Anlehnung an historische schweizer Vorbilder oder durch unbehandelte Oberflächen, die über die Zeit Patina entwickeln und über Generationen hinweg eine eigene Geschichte erzählen. Details von Wand- und Deckenverkleidungen wurden bewusst reduziert, zwei sich durchziehende Kernmaterialien gezielt eingesetzt. Formen wurden sowohl im Einklang mit der Natur als auch kontrastreich gewählt. So wurden Design, Kunst und Materialität unerwartet, aber mit viel Feingespür miteinander verbunden.
Bestehende Typologien wurden nicht neu erfunden, sondern konsequent verfeinert. Reduktion wurde zum Prinzip – in der Form, im Detail und in der Materialwahl.
Raumbestimmend sind wenige, bewusst gewählte Materialien – reduziert in der Anzahl, differenziert in ihrer Ausarbeitung. Über alle Etagen hinweg prägen im Wesentlichen drei Werkstoffe das Haus: massive, gedämpft und geseifte Tanne für den Boden, gelaugte und sandgestrahlte Lärche für Wand- und Deckenverkleidungen sowie brüniertes Messing für Küchenfronten und feine Details. Alle Materialien sind pur gewählt. Sie geben besonderen Details den Vortritt und schaffen zugleich eine spürbare Ruhe.
Lärche prägt Wände, Decken und maßgefertigte Einbauten. Je nach Lichteinfall zeigt sie sich in warmen, honigfarbenen Tönen oder in kühlen, zurückhaltenden Nuancen. Die fein gebürsteten und geölten Oberflächen lassen Maserung und Struktur bewusst spürbar. Massive, gedämpft und geseifte Tanne definiert die Böden – dunkler gewählt, ruhiger im Bild, mit leicht strukturierter Oberfläche, die Tiefe und Erdung erzeugt. Tanne und Lärche stehen optisch im Kontrast, verleihen durch ihre differenzierte Oberflächenbehandlung jedoch Böden, Decken, Wänden und Möbeln ein authentisches Erscheinungsbild und lösen sich gezielt vom traditionellen Alpenchalet-Charakter.
Der Fokus lag darauf, hochwertige Materialien nicht nur einzusetzen, sondern sie handwerklich auszureizen: präzise gefügte Ecklösungen, sauber ausgearbeitete Schattenfugen, eigens entwickelte Profile und neue Trägersysteme anstelle klassischer Fachböden. Übergänge zwischen Wand, Decke und Möbel sind durchdacht, Holzflächen laufen bewusst durch, Details sind integriert statt addiert.
Ergänzt wird das Holz durch textile Stofflichkeit und bespannte Ledermöbel mit natürlicher Haptik und gedeckter Farbigkeit. Brüniertes Messing bringt als Griff, als feines Band oder als Kante in Schränken eine warme, lebendige Patina ins Spiel. Feine Steinflächen treffen auf den warmen Tannenboden und setzen ruhige, mineralische Akzente. Wachenzeller Dolomit verankert das Haus im regionalen Kontext; seine klare Oberfläche steht im Dialog mit der weichen Holzstruktur. In der Küche bildet Nero Assoluto mit speziell bearbeiteter, robuster Oberfläche die Arbeitsplatte – dicht, tiefschwarz, fast archaisch.
Neben eigens entwickelten Details und individuellen Möbelstücken wurde auch auf die bewusste Auswahl ergänzender Designklassiker und individueller Dekoration geachtet. Durch differenzierte Oberflächen entsteht keine harte Gegenüberstellung, sondern eine subtile Spannung. Die Wiederholung der Materialien schafft Kohärenz. Tradition wird nicht zitiert, sondern in Material, Proportion und Detail weiterentwickelt. Atmosphäre entsteht aus Substanz – nicht aus Dekoration.
Das Haus erstreckt sich über drei Etagen und umfasst mehrere Schlafzimmer, einen offenen Wohn- und Essbereich, eine Küche, eine Bibliothek mit Kamin, sowie einen Wellnessbereich.
Individuelle Einbauten, wie eine Ski-Ankleide mit integrierter Trockenzone oder nahezu unsichtbare Küchenelemente verbinden Funktionalität mit gestalterischer Zurückhaltung. Glasvitrinen und fein gesetzte Öffnungen schaffen Sichtbezüge, ohne die Ruhe der Räume zu stören.
Über alle Räume hinweg wurden Funktion und Nutzung durch ein einheitliches Materialkonzept aus Holz, Stein, Stoff und Leder unterstützt – für intelligente Lösungen, nachhaltige Langlebigkeit und stilvolle Eleganz.